Demonstration in Karlsruhe für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag – 2.9.2016, 17 Uhr, Bundesgerichtshof

Bei Fragebögen scheitere ich oft schon an Frage Nummer 2.
Ich soll mich entscheiden: “Frau” oder “Mann”.
Und fühle mich mal wieder – nicht repräsentiert.
Irgendwie – übergangen.

Keine Medizin, keine Psychologie, kein Gesetz
kann mir sagen, dass es mich nicht gibt – als Hermaphrodit.
Mein Spiegel beweist doch das Gegenteil.

Im Juli 2014 haben wir Vanja dabei begleitet, einen Antrag auf die geschlechtliche Bezeichung „inter/divers“ in der Geburtsurkunde beim Standesamt Gehrden/Hannover zu stellen. Das Amtsgericht Hannover und das OLG Celle haben abgelehnt. Nun hat auch der Bundesgerichtshof entgegen unserer Vorstellungen entschieden, doch für uns ist der Weg nicht vorbei – der spannendste Teil beginnt erst! Wir werden Vanja darin unterstützen eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einzureichen. Es wäre toll, wenn auch ihr das tut und mit uns zusammen das Anliegen auf die Straße tragt.

Warum eigentlich?
Wir, die Kampagne für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag, wollen Raum und Sichtbarkeit schaffen für alle Geschlechter jenseits von Mann* und Frau*.
Immer wieder wird behauptet es gäbe eine “Natürlichkeit” von genau zwei Geschlechtern. Dabei wird diese erst mit Gewalt hergestellt – durch Operationen an intergeschlechtlichen Kindern ohne deren Zustimmung, durch das Pathologisieren, also für krank erklären, von Inter* und Trans*, durch das Unsichtbar machen und Ignorieren von allen, die jenseits von Mann* und Frau* existieren.
Menschen, die nicht als Mann* oder Frau* leben, sind keine neue Erscheinung. Sie gab es schon immer und wird es immer geben. Es wird Zeit für eine rechtliche Anerkennung dieser Tatsache. In einigen Ländern (z.B. Australien, Indien und Nepal) ist dies auch zum Teil seit Jahren schon möglich.

Also, es reicht!
Wir als Inter*, Trans*, Queers sind nicht krank oder gestört,
wir werden höchstens gestört.
Wir haben ein Recht auf Geschlecht wie alle anderen auch.

Durch eine dritte Option beim Geschlechtseintrag kann die Existenz von Menschen, die weder Frau* noch Mann* sind, nicht länger geleugnet werden.
Wir sind, wer wir sind – völlig unabhängig von Kästchen auf staatlichen – und sonstigen – Formularen. Aber die symbolische Anerkennung durch eine dritte Option beim Geschlechtseintrag ist ein großer Schritt heraus aus gesellschaftlicher Unsichtbarkeit und Marginalisierung. Darüber hinaus kann diese Anerkennung den Weg zur Abschaffung weiterer Diskriminierungen ebnen und hoffentlich dazu beitragen, dass endlich die “Umoperationen” von intergeschlechtlichen Kindern – ohne deren Zustimmung und ohne medizinische Notwendigkeit -, gegen die Aktivist*innen bereits seit Jahren kämpfen, endgültig beendet werden.
Diese Menschenrechtsverletzungen sind nicht länger hinzunehmen. Darum lasst uns das Recht auf Selbstbestimmung juristisch und gesellschaftlich erkämpfen!

Lasst uns der Welt zeigen, dass es uns gibt und dass wir uns nicht verstecken, sondern selbstbewusst und selbstverständlich für unsere Rechte einstehen! Auch Unterstützer*innen sind herzlich willkommen.

DEMONSTRATION AM FREITAG, 2. SEPTEMBER 2016 VOM BUNDESGERICHTSHOF ZUM BUNDESVERFASSUNGSGERICHT IN KARLSRUHE – BEGINN UM 17 UHR VOR DEM BUNDESGERICHTSHOF (HERRENSTRAßE 45A)

Schreibt uns gerne an info@dritte-option.de, wenn ihr Flyer und/oder Plakate für die Demo-Mobi geschickt bekommen möchtet. Hier könnt ihr das Plakat herunterladen: Dritte_Option_Demo_Karlsruhe_02-09-16_Plakat (bitte noch Ort und Zeit eintragen :) ). Wir freuen uns sehr über eure Unterstützung!

Mehr Infos unter:
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Twitter: @DritteOption