Anrede in Korrespondenz

Wir werden aktuell häufig gefragt, wie Personen, deren geschlechtliche Identität nicht weiblich oder männlich ist, in schriftlicher Korrespondenz anzusprechen sind. Denn „Sehr geehrte Frau Lehmann“ oder „Lieber Herr Güngör“ funktioniert dann häufig nicht.

Zunächst einmal sei gesagt: Sie können gerne bei der betreffenden Person nachfragen, wie sie gerne angesprochen werden möchte. Und zwar genau so: „Wie möchten Sie angesprochen werden?“ bzw. auch „Was ist Ihr Pronomen?“ Als Erklärung kann auch der Satz ergänzt werden: „Da beispielsweise vom Namen oder vom Aussehen einer Person nicht automatisch auf das Geschlecht geschlossen werden kann, verwende ich in der Ansprache zunächst keine Geschlechtszuschreibungen wie beispielsweise „Frau“, „Herr“, „Professorin“, „Professor““.

Eine Frage nach dem Geschlecht einer Person ist der deutlich schlechtere Weg, da er Ihnen keine Auskunft über die Ansprache liefert. Wenn eine Person zum Beispiel den Geschlechtseintrag „divers“ hat, fühlt sie sich dennoch möglicherweise von der Anrede „Herr X“ bzw. „Frau Y“ angemessen angesprochen – sprich: Das eine schließt das andere nicht automatisch aus.

Da Sie es aber ja richtig machen wollen, fassen Sie sich also, wenn Sie die Möglichkeit haben, ein Herz und fragen Sie nach. Es muss Ihnen weder peinlich sein, dass Sie das nicht wissen, noch wird es Ihnen als Ignoranz ausgelegt, im Gegenteil: Sie zeigen damit, dass Sie die Wünsche Ihres Gegenübers respektieren möchten.

Manche Menschen wünschen sich aber durchaus eine geschlechtsneutrale Anrede und sicher gibt es auch Momente, in denen Sie eben nicht die Möglichkeit haben, persönlich nachzufragen. In Fällen, in denen Sie üblicherweise eine Franka Meier anschreiben würden mit „Sehr geehrte Frau Meier“, machen Sie nichts falsch, wenn Sie stattdessen schreiben „Guten Tag, Franka Meier“.

Sie könnten alternativ auch den Gender Star (*) oder Gender Gap (_) nutzen. Das sähe dann so aus:

Sehr geehrte*r Franka Meier“

Sehr geehrte_r Franka Meier“

Auch hier sollte jedoch ausschlaggebend sein, was die angesprochene Person sich wünscht und nicht, was Ihre Organisation möglicherweise gut meint, aber nicht umzusetzen weiß. Eine gute Möglichkeit der Ansprache ist immer ein freundliches „Guten Tag“, entweder ganz ohne Namen oder gefolgt von Vornamen und Nachnamen.

Signaturen

Grundsätzlich wäre es für alle sehr hilfreich, wenn das eigene Pronomen und die gewünschte Anrede Eingang in sämtliche Signaturen finden würde. Das erspart Nachfragen, Rätselraten und umständliche Formulierungen.

Beispiele:

Svenja Lehmann, Anrede „Frau“, Pronomen „sie“

Yunus Güngör, Anrede „Herr“, Pronomen „er“

June Smith, keine binärgeschlechtliche Anrede, sondern z.B. „Sehr geehrte*r June Smith, Liebe*r June Smith. Statt eines Pronomens Verwenden Sie bitte meinen Vornamen“