3. Option – Was? Warum? Wie?

Bei Fragebögen scheitere ich oft schon an Frage Nummer 2.
Ich soll mich entscheiden: “Frau” oder “Mann”.
Und fühle mich mal wieder – nicht repräsentiert.
Irgendwie – übergangen.

Keine Medizin, keine Psychologie, kein Gesetz
kann mir sagen, dass es mich nicht gibt – als Hermaphrodit.
Mein Spiegel beweist doch das Gegenteil.

Weil ich mittlerweile mehr Menschen getroffen habe, denen es ähnlich geht,
die sich als Inter*, Trans* oder Queer verstehen,
habe ich mit tollen Unterstützer*Innen beschlossen aktiv zu werden.


Wir freuen uns, wenn ihr das Video verbreitet. Eine weitere Verwendung des Inhalts (auch z.B. einzelner Bilder) ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet. Schreibt dafür bitte an info@dritte-option.de.

Wir, die Kampagne für eine dritte Option, wollen Raum und Sichtbarkeit schaffen für alle Geschlechter jenseits von Mann* oder Frau*, und gemeinsam mit euch das Recht auf Selbstbestimmung juristisch und gesellschaftlich erkämpfen.

Immer wieder wird behauptet es gäbe eine “Natürlichkeit” von genau zwei Geschlechtern. Dabei wird diese erst mit Gewalt hergestellt – durch Operationen an intergeschlechtlichen Kindern ohne deren Zustimmung, durch das Pathologisieren, also für krank erklären, von Inter* und Trans*, durch das Unsichtbar machen und Ignorieren von allen, die jenseits von Mann* und Frau* existieren.

Menschen, die nicht als Mann* oder Frau* leben, sind keine neue Erscheinung. Sie gab es schon immer und wird es immer geben. Nur der Umgang mit ihnen ist unterschiedlich.

Also, es reicht!
Wir als Inter*, Trans*, Queers sind nicht krank oder gestört,
wir werden höchstens gestört.
Wir haben ein Recht auf Geschlecht wie alle anderen auch.

Und genau das soll jetzt eingefordert werden. Mit einer Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag, wie es in Australien, Indien, Nepal, Neuseeland und Pakistan bereits möglich ist.

Jede*r kennt die eigene Identität besser als “Expert*innen” der Medizin und Psychologie. Deswegen darf die Option C nicht an medizinische oder psychologische Gutachten geknüpft sein. Sie darf aber auch kein Zwang werden. Der Eintrag „f“ oder „m“ muss allen Inter*- und Trans*-Leuten offen stehen, die sich dort einordnen.

Medizinische Unterstützung muss für alle möglich sein. Aber eben nur auf eigene Nachfrage.

Durch eine dritte Option kann die Existenz von Hermaphroditen, Inter* und Menschen, die weder Frau* noch Mann* sind, nicht länger geleugnet werden. Der Ethikrat des Bundestages hat unter anderem auch eine dritte Option empfohlen.

Die Hoffnung besteht, dass dadurch auch endlich die “Umoperationen” von intergeschlechtlichen Kindern – ohne deren Zustimmung und ohne medizinische Notwendigkeit -, gegen die Aktivist*innen bereits seit Jahren kämpfen, endgültig beendet werden.

Diese Menschenrechtsverletzungen sind nicht länger hinzunehmen. Darum lasst uns das Recht auf Selbstbestimmung juristisch und gesellschaftlich erkämpfen!

Wir, die Kampagne für eine dritte Option, begleiten eine Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag juristisch und mit politischer (Aufklärungs-)Arbeit. In der Gruppe sind Personen mit verschiedenen Identitäten aktiv. Uns beschäftigt zwar alle das Thema Geschlechtsidentität und Identitäten jenseits von binären Kategorien auch sehr persönlich, aber dies sehen wir nicht als Grundvoraussetzung an, um in einer Kampagne mitzustreiten, die mehr Sichtbarkeit und mehr Rechte für Personen mit Geschlechtsidentitäten wie Inter*, Trans*, Nonbinary, Genderqueer oder weiteren zu erreichen. Für uns ist es zentral alle Personen in ihrer eigenen Geschlechtlichkeit zu akzeptieren und Identitäten, Lebensentwürfe und Erfahrungen nicht als Konkurrenz zueinander zusehen. Wir sind daher weder eine Inter*-Organisation noch eine Trans*-Gruppe, sondern eine Kampagne für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag – für alle Menschen, die nicht (ausschließlich) als männlich oder weiblich eingetragen sein wollen!

Was bisher geschah:
Vanja ist 2013 auf einige Personen zugekommen mit der Idee und dem Wunsch einen anderen Eintrag als „männlich“ oder „weiblich“ im Geburtenregister und in der Folge auch in allen anderen Dokumenten rechtlich durchzusetzen und zugleich diesen Prozess für Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungsaktionen über die Existenz und die Probleme von Personen, die weder männlich noch weiblich sind zu nutzen. Aus dieser Idee heraus entstand die Kampagnen-Gruppe, und nach langen Vorbereitungen und Gesprächen reichte Vanja im Juli 2014 den Antrag auf eine Eintragung als „inter/divers“ beim Standesamt ein.
Ein bisschen mehr als zwei Jahre später haben am 2. September 2016 etwa 100 Leute gemeinsam mit Vanja die Verfassungsbeschwerde gegen die ablehnende gerichtliche Entscheidung in dem Verfahren vom Bundesgerichtshof zum Bundesverfassungsgericht getragen. Das war der vorläufige Höhepunkt und nun müssen wir warten, denn Verfahren beim Bundesverfassungsgericht dauern lange. Aber wir sind froh es bis hierhin geschafft zu haben und werden die Zeit des Wartens sicherlich im Sinne des Kampagnenauftrags gut zu nutzen wissen.

Queere Grüße,
das Dritte-Option-Kampagnenteam