Redebeiträge

An verschiedenen Demos und anderen Veranstaltungen haben wir uns mit Redebeiträgen beteiligt. Einige dieser Beiträge findet ihr hier.

Redebeitrag im Rahmen der Demonstration für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag am 2. September 2016 in Karlsruhe
In einer Welt, die ständig nach zwei Geschlechtern trennt – beim Sport, auf der Toilette, bei jedem verdammten Formular – sind alle, die weder Mann* noch Frau* sind von Sexismus und Gewalt betroffen.
Ganz nach dem Motto “was nicht sein soll, das gibt es auch nicht” werden Zwitter, Hermaphroditen, Intersexuelle unsichtbar gemacht, ignoriert oder pathologisiert. Dabei gibt es tausende Menschen, die nicht Mann* oder Frau* sind, schon von Geburt an. Es geht darum, dass Inter* von ihren Chromosomen, Hormonen oder ihrer Anatomie nicht nur weiblich* oder männlich* sind, sondern eben beides oder keines oder dazwischen oder etwas ganz Anderes sind. Doch die offizielle Medizin hält dies nicht für eine Variation von Geschlecht, sondern für “krank”.
Offensichtlich fühlt sich die männlich-weibliche Ordnung so sehr gestört und bedroht, dass trotz jahrelanger Kritik von Inter*-Selbstorganisationen schon an kleinen Kindern Operationen durchgeführt werden, die medizinisch nicht notwendig sind, die nachweislich Viele traumatisieren – und das alles ohne Zustimmung der Kinder und oft mit nur schlechter Beratung der Eltern durch die Ärzt*innen.
Dank neuester Technik geht es sogar so weit, dass Menschen per Pränataldiagnostik prüfen, ob ein Kind bestimmte Formen der Intersexualität haben könnte und sich bis zu 70 Prozent, wenn sie die Wahl haben, dann gegen dieses ansonsten gewünschte Kind entscheiden. Eine angebliche Normalität von Mann* und Frau* wird also erst mit Gewalt hergestellt: durch Selektion, durch OPs, durch Anpassungsdruck.
Im Alltag scheitere ich bei Fragebögen oft schon an Frage Nummer 2. Ich soll mich entscheiden: “Frau” oder “Mann”. Und fühle mich mal wieder – nicht repräsentiert. Irgendwie – übergangen.
Keine Medizin, keine Psychologie, kein Gesetz kann mir sagen, dass es mich nicht gibt – als Hermaphrodit. Mein Spiegel beweist doch das Gegenteil. Doch noch immer leben die meisten Inter* unsichtbar – weil es keine Worte, keine Orte gibt für die, die abseits von Mann* und Frau* existieren.
Und auch wenn Homosexualität 1992 aus dem internationalen Katalog der psychischen Krankheiten gestrichen wurde, gilt Transsexualität offiziell weiterhin als Geschlechtsidentitätsstörung. Das hat zur Folge, dass bürokratische Hürden aufgebaut werden und mensch offiziellen Gutachter*innen beweisen muss auch wirklich genug zu leiden um als trans* anerkannt zu werden.
Aber wir als Inter*, Trans*, Queers sind nicht krank oder gestört – wir werden höchstens gestört. Wir haben ein Recht auf Geschlecht wie alle anderen auch. Und genau das fordern wir ein. Mit einer Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag, wie es in Australien, Indien, Nepal, Neuseeland und Pakistan juristisch möglich ist.
Denn auch wenn es mittlerweile für Inter* die Regelung gibt, dass der Geschlechtseintrag offen gelassen werden kann, finden wir, dass eine selbstbewusste Identität abseits von Mann oder Frau etwas ganz anderes ist als eine Leerstelle oder eine fehlende Angabe, wie es der neue Paragraph 22 Absatz 3 PStG vorsieht.
Im Juli 2014 haben wir, die Gruppe “Dritte Option”, daher beim Standesamt den Antrag auf Änderung einer Geburtsurkunde hin zum Geschlechtseintrag “inter/divers” eingereicht. Dieser Antrag wurde vom Amtsgericht abgelehnt, und unsere Beschwerde dagegen ist mittlerweile über das Amtsgericht zum Oberlandesgericht und schließlich hier vor dem Bundesgerichtshof gelandet.
Leider hat auch dieser das Recht auf Identität als Inter* nicht anerkannt und meint alle Menschen, die außerhalb der Kategorien “Mann” oder “Frau” leben, stören die staatliche Ordnung.
Wir haben das zum Anlass genommen zu dieser Demo einzuladen, die staatliche Ordnung weiter zu stören und Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einzulegen – in der Hoffnung, dass dieses endlich anerkennt, dass auch wir existieren, und zwar nicht als Leerstelle oder Krankheit, nicht als Fehler der Natur, der versteckt oder korrigiert werden muss, sondern als intergeschlechtlich, transident oder genderqueer, weil wir gut und richtig und schön sind genau so wie wir sind.

Darum heißt es heute:
Inter* und Trans* Hand in Hand –
Eure Ordnung – unser Widerstand!

***

Sexismus und Gewalt gegen Inter* und alle Menschen, die weder Mann* noch Frau* sind
Redebeitrag im Rahmen der Demo „Reclam Feminism – Unser Feminismus ist antirassistisch“ am 12. März 2016 in Köln

In einer Welt, die ständig nach zwei Geschlechtern trennt – beim Sport, auf der Toilette, bei jedem verdammten Formular – sind nicht nur Frauen*, sondern auch alle, die weder Mann* noch Frau* sind von Sexismus und Gewalt betroffen.
Ganz nach dem Motto “was nicht sein soll, das gibt es auch nicht” werden Zwitter, Hermaphroditen, Intersexuelle unsichtbar gemacht, ignoriert oder pathologisiert. Dabei gibt es tausende Menschen, die nicht Mann* oder Frau* sind, schon von Geburt an. Es geht darum, dass Inter* von ihren Chromosomen, Hormonen oder ihrer Anatomie nicht nur weiblich* oder männlich* sind, sondern eben beides oder keines – oder dazwischen – oder etwas ganz Anderes sind. Doch die offizielle Medizin hält dies nicht für eine Variation von Geschlecht, sondern für “krank”.
Offensichtlich fühlt sich die männlich-weibliche Ordnung so sehr gestört und bedroht, dass trotz jahrelanger Kritik von Inter*-Selbstorganisationen schon an kleinen Kindern Operationen durchgeführt werden, die medizinisch nicht notwendig sind, die nachweislich Viele traumatisieren – und das alles ohne Zustimmung der Kinder und oft mit nur schlechter Beratung der Eltern durch die Ärzt*innen.
Dank neuester Technik geht es sogar so weit, dass Menschen per Pränataldiagnostik prüfen, ob ein Kind bestimmte Formen der intersexualität haben könnte und sich bis zu 70 Prozent, wenn sie die Wahl haben, dann gegen dieses ansonsten gewünschte Kind entscheiden. Eine angebliche Normalität von Mann* und Frau* wird also erst mit Gewalt hergestellt: durch Selektion, durch OPs, durch Anpassungsdruck.
Im Alltag scheitere ich bei Fragebögen oft schon an Frage Nummer 2. Ich soll mich entscheiden: “Frau” oder “Mann”. Und fühle mich mal wieder – nicht repräsentiert. Irgendwie – übergangen.
Keine Medizin, keine Psychologie, kein Gesetz kann mir sagen, dass es mich nicht gibt – als Hermaphrodit. Mein Spiegel beweist doch das Gegenteil. Doch noch immer leben die meisten Inter* unsichtbar – weil es keine Worte, keine Orte gibt für die, die abseits von Mann* und Frau* existieren.
Und auch wenn Homosexualität 1992 aus dem internationalen Katalog der psychischen Krankheiten gestrichen wurde, gilt Transsexualität offiziell weiterhin als Geschlechtsidentitätsstörung. Das hat zur Folge, dass bürokratische Hürden aufgebaut werden und mensch offiziellen Gutachter*innen beweisen muss auch wirklich genug zu leiden um als trans* anerkannt zu werden.
Aber wir als Inter*, Trans*, Queers sind nicht krank oder gestört – wir werden höchstens gestört. Wir haben ein Recht auf Geschlecht wie alle anderen auch. Und genau das soll jetzt eingefordert werden. Mit einer Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag, wie es in Australien, Indien, Nepal, Neuseeland und Pakistan juristisch möglich ist.
Im Juli 2014 haben wir, die Gruppe “Dritte Option”, bei einem Standesamt den Antrag auf Änderung einer Geburtsurkunde hin zum Geschlechtseintrag “inter/divers” eingereicht. Der Antrag wurde vom Amtsgericht abgelehnt, und unsere Beschwerde dagegen ist durch mehrere Instanzen “nach oben” gewandert. Mittlerweile liegt die Klage vor dem Bundesgerichtshof, der schon bald dazu entscheiden könnte. Sollte ein Eintrag als inter*/divers weiter abgelehnt werden, werden wir eine Demo in Karlsruhe organisieren, zu der ihr alle eingeladen seid, und Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegen. Wir sind optimistisch, dass die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht erfolgreich sein wird.
Mehr zu unserer Klage und Kampagne findet ihr auf dritte-option.de.
Wir freuen uns über eure Solidarität.

Normierung verweigern – Gutachten ins Klo!
Selbstbestimmung – so oder so!

***

Inter* vor dem Gesundheitsamt
Redebeitrag im Rahmen des Alternativen CSD in Köln am 28. Juni 2014

Wir stehen hier heute ganz in der Nähe des Gesundheitsamts – und das nicht zufällig. Denn genau hier wird (auch) definiert wer in dieser Gesellschaft als gesund angesehen wird. Und wer nicht.
In einer Welt, die ständig nach zwei Geschlechtern trennt – beim Sport, auf der Toilette, bei jedem verdammten Formular – werden dann auch die, die nicht Männer* oder Frauen* sind einfach pathologisiert oder ignoriert. Ganz nach dem Motto „was nicht sein soll, das gibt es auch nicht.“
Dabei gibt es tausende Zwitter-Hermaphroditen-intersexuelle Menschen, die nicht Mann* oder Frau* sind, schon von Geburt an. Es geht darum, dass Menschen von ihren Chromosomen, Hormonen oder ihrer Anatomie her nicht nur weiblich* oder männlich* sind, sondern eben Beides oder dazwischen oder etwas ganz Anderes.
Die offizielle Medizin hält das jedoch nicht für eine Variation von Geschlecht, sondern für „krank“. Offensichtlich fühlt sich die „männlich-weibliche Ordnung“ so sehr gestört und bedroht, dass trotz jahrelanger Kritik von Inter*-Selbstorganisationen schon an kleinen Kindern Operationen durchgeführt werden, die medizinisch nicht notwendig sind. OPs, die zum Teil Menschen, die vorher zeugungsfähig waren kastrieren, die nachweislich Viele traumatisieren. Und das alles ohne Zustimmung der Kinder und oft mit nur schlechter Beratung der Eltern durch die Ärzt*innen. Und in den meisten Fällen obwohl das Kind ohne OPs keine Beeinträchtigungen hätte. Auch sonst wollen die Ärzt*innen Menschen oft vor allem an eine männliche* oder weibliche* Norm anpassen. Um jeden Preis.
Sogar der Ethikrat der Bundesregierung hält solche OPs mittlerweile für zum Großteil nicht zu rechtfertigende Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit. Aber noch immer sind diese OPs nicht verboten. Noch immer ist die Aufklärung über Intersexualität bei Mediziner*innen schlecht. Noch immer gibt es keine Beratungsstellen. Und noch immer leben die meisten Inter* unsichtbar – weil es keine Worte, keine Orte gibt für die, die abseits von Mann* und Frau* existieren.
„Im Alltag scheitere ich bei Fragebögen oft schon an Frage Nummer 2.
Ich soll mich entscheiden: „Frau” oder „Mann”.
Und fühle mich mal wieder – nicht repräsentiert.
Irgendwie – übergangen.
Keine Medizin, keine Psychologie, kein Gesetz
kann mir sagen, dass es mich nicht gibt – als Hermaphrodit.
Mein Spiegel beweist doch das Gegenteil.“
Und auch wenn Homosexualität 1992 vom internationalen Katalog der psychischen Krankheiten gestrichen wurde gilt Transsexualität offiziell weiterhin als Geschlechtsidentitätsstörung. Das hat zur Folge, dass bürokratische Hürden aufgebaut werden und mensch offiziellen gutachter*innen beweisen muss auch wirklich genug zu leiden um als trans* anerkannt zu werden.
Aber wir als Inter*, Trans*, Queers sind nicht krank oder gestört, wir werden höchstens gestört. Wir haben ein Recht auf Geschlecht wie alle anderen auch. Und genau das soll demnächst eingefordert werden, mit einer Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag, wie es in Australien, Indien, Nepal, Neuseeland und Pakistan juristisch möglich ist. Mehr dazu findet ihr auf der Website dritte-option.de.
Wir freuen uns über eure Solidarität.
Es gilt:
Normierung verweigern!
Gutachten ins Klo!
Selbstbestimmung – so oder so!

***

Reproduktionsrechte von Trans*Inter*Queers
Redebeitrag im Rahmen der Demo „Raise your voice! Your body Your choice – Feministische Inhalte auf die Straße tragen!“ in Münster am 22. März 2014

Christliche Fundamentalist*innen wollen sich heute mal wieder als Retter*innen der Familie darstellen. Sie demonstrieren an dieser Stelle vor allem gegen Schwangerschaftsabbrüche. Doch wenn wir über das Recht darauf keine Kinder zu bekommen sprechen, sollten wir die andere Seite auch nicht vergessen:
Die gleichen Christ*innen, die von Hetero-Cis-Menschen so vehement Kinder und Familie „zum Erhalt des Volkes” einfordern, halluzinieren sich den baldigen Untergang des Abendlandes herbei, sobald auch Homosexuelle, Inter*personen oder Trans*menschen Kinder bekommen möchten. Die sofortige Apokalypse tritt vermutlich ein, wenn schwule Trans*männer, pansexuelle Trans*frauen oder polyamouröse Inter* sich entscheiden, mit Kindern zu leben und sich so den Moralvorstellungen der christlichen Fundamentalist*innen und weiten Teilen der Gesellschaft widersetzen.
Noch immer sind Lesben und Schwule in Deutschland vom Adoptionsrecht und der Reproduktionsmedizin weitgehend ausgeschlossen. Ganz zu schweigen von Elternkonstellationen, die nicht Zweierbeziehungen sind. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern, sollte nicht wieder einmal das Bundesverfassungsgericht dafür sorgen, dass bürgerliche Rechte für alle durchgesetzt werden. Die Begründung dagegen ist meist, dass das Kindeswohl gefährdet sei, oder auch, dass die Kinder von anderen in der Schule ausgegrenzt würden. Das Wohl der Kinder queerer Eltern ist aber nur deswegen gefährdet, weil die Erwachsenen ihrem Nachwuchs homophobe Scheiße ins Hirn pflanzen.
Damit diese Scheiße auch Bestand hat, wird in Baden-Württemberg derzeit schon mit Schulboykott gedroht – eine Thematisierung von und Auseinandersetzung mit queeren Lebensweisen an Schulen scheint zu gefährlich für heterosexistische Normen.
Nochmal deutlicher wird die existierende Doppelmoral, wenn es um ein Recht auf Familie für Inter* und Trans* geht. Noch bis vor kurzem hat das TSG (Transsexuellengesetz) erfordert, dass Menschen sich unfruchtbar machen müssen um in ihrer Geschlechtsidentität anerkannt zu werden. Trans*männer sollten nicht schwanger werden dürfen, Trans*frauen keine Kinder zeugen. Diese Regelung wurde zum Glück gekippt, weil sie verfassungswidrig ist.
Weiterhin Bestand hat jedoch eine andere Regelung, der § 7 des TSG: “Die Entscheidung, durch welche die Vornamen des Antragstellers geändert worden sind, wird unwirksam, wenn nach Ablauf von dreihundert Tagen nach der Rechtskraft der Entscheidung ein Kind des Antragstellers geboren wird …”. Trans*menschen müssen also um ihren erkämpften Vornamen und Personenstand fürchten, sollten sie sich entscheiden selbst Kinder zu zeugen oder zu gebären. Der Bestand der Gesetze zeigt deutlich das gesellschaftliche Klima, in dem sich Trans*menschen bewegen müssen.
Es gibt viele Menschen, die gar nicht als Mann oder Frau zur Welt kommen. Dass dieser Zustand keine Krankheit, sondern lediglich eine Variation darstellt, ist leider immer noch bei den Wenigsten angekommen. Inter*personen werden noch immer pathologisiert, also für krank erklärt, und unsichtbar gemacht.
Das hat zur Folge, dass Intersexuelle weiterhin oft schon als Kind ohne Zustimmung operiert werden – nicht etwa aus gesundheitlichen Gründen, sondern nur um größere optische Übereinstimmung mit einem Männlichkeits- oder Weiblichkeitsideal herzustellen.
Diese OPs sind nicht nur traumatisierend, sie verhindern oft auch eine Gebär- oder Zeugungsfähigkeit, die bei vielen Intersexuellen vor den OPs durchaus vorhanden ist. Dabei ist die Fortpflanzungsunfähigkeit meist keine Nebenwirkung, sondern das explizite Ziel einer solchen Operation an einem Kleinkind. Die angesprochenen Moralvorstellungen wiederholen sich – Menschen, die nicht in die Norm passen, sollen sich auf keinen Fall reproduzieren. Dafür wird sogar in ihre körperliche Unversehrtheit eingegriffen und in Kauf genommen, dass sich ihre Situation durch medizinische Eingriffe massiv verschlechtert.
Mittlerweile ist die Medizin sogar so weit, dass sie vor der Geburt testen kann, ob das Kind bestimmte Formen der Intersexualität haben könnte. Sollte dieser Test positiv ausgehen, ist das ein Abbruchsgrund, auch nach der 12. Schwangerschaftswoche. Dies zu kommentieren – dafür fehlen uns die Worte.
Diese krassen Eingriffe in die Selbstbestimmung von Inter* und Trans* wollen wir nicht länger hinnehmen.
Einer der Wege da raus ist unsere angestrebte Klage auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag. Bisher können sich Menschen nur als „Frau” oder „Mann” oder, seit neuestem, mit aufwändigen Gutachten ohne Geschlecht eintragen lassen. Wir wollen dagegen Sichtbarkeit von und für Menschen, die nicht in die engen Normen der Zweigeschlechtlichkeit passen. Und wir wollen diese Sichtbarkeit nicht nur im sozialen Bereich, wir wollen sie auch rechtlich einfordern! Denn mit einer etablierten, gleichberechtigten, offenen Kategorie neben „Mann” oder „Frau” kann besser gegen Diskriminierung vorgegangen werden.
Mehr zu der Kampagne und Klage findet ihr auf: dritte-option.de.
Also lasst uns den engen Vorstellungen der fundamentalistischen Christ*innen von bürgerlicher Kleinfamilie und strikter Sexualmoral eine Absage erteilen.
Wir wünschen uns andere, offene Konzepte von Familie.
Für eine selbstbestimmte Identität und Sexualität – für ein selbstbestimmtes Leben ohne und mit Kindern.
Kein Gott, kein Staat, kein Kardinal – und auch nicht eure Scheißmoral!

***

Repression aus der Sicht von Inter* und Trans*
Redebeitrag auf der Solidemo gegen Repression an Silvester 2013/2014 vor der JVA Ossendorf

Repression betrifft uns alle. Wir wollen in diesem Text aber speziell über Repression aus der Sicht von Inter* und Trans* sprechen. Damit meinen wir alle, die nicht in das Zweigeschlechtersystem von „Mann/Frau“ passen – weil ihr Körper als nicht eindeutig männlich oder weiblich angesehen wird oder weil sie sich nicht so fühlen.
Zurzeit leben Intergeschlechter* in Deutschland mit der Situation juristisch nicht anerkannt zu sein, medizinisch als krank zu gelten und auch sonst nicht mitgedacht zu werden. Menschen, die nicht eindeutig als Mann oder Frau geboren werden stören die Ordnung und sollen durch OPs und/oder Therapien „angepasst“ werden. Immer wieder wird also behauptet, es gäbe eine „Natürlichkeit” von genau zwei Geschlechtern. Dabei wird diese erst mit Gewalt hergestellt – durch Zwangs-OPs an intergeschlechtlichen Kindern, durch das Pathologisieren, also für krank erklären, von Inter* und Trans*, durch das Unsichtbar machen und Ignorieren von allen, die abseits von „Mann“ und „Frau“ existieren.
Wenn dann meine Papiere und mein Aussehen scheinbar nicht zusammen passen kann das zu fiesen Reaktionen von blöden Witzen bis zu Übergriffen führen. Erst vor kurzem wurde mir von einer Trans*-Frau erzählt, die dazu aufgefordert wurde, sich auf offener Straße oben herum auszuziehen und ihre Brüste abzunehmen, weil sonst ja nicht geglaubt werden könne, dass der Pass, in dem noch ein männlicher Name stand wirklich von ihr ist. Auch die Praxis sich in Gewahrsam ausziehen zu müssen hat für Trans* und Inter* nochmal besonders demütigende Auswirkungen und wird in Hamburg zum Beispiel des Öfteren gegen Trans*Frauen, die Sexarbeit machen eingesetzt.
Obwohl etwa jedes 100. Kind als Hermaphrodit/Inter* zur Welt kommt, wird in offiziellen Dokumenten, in öffentlichen Toiletten, Umkleiden, Bädern, Sportvereinen, Kleidungsgeschäften, usw. so getan als gäbe es nur „Männer“ und „Frauen“. Und so auch im Knast.
Im Knast ist es so, dass Menschen in der Regel nicht selbst entscheiden können in den Männer*- oder Frauen*-Knast zu kommen – das entscheidet allein der Personenstand. Obwohl Knast immer Repression bedeutet kann es daher für Menschen nochmal besonders unangenehm werden, wenn sie zum Beispiel im Männerknast landen, aber als eher weiblich gelesen werde und sich auch so identifizieren.
Also: Wenn wir heute gegen Repression auf die Straße gehen, dann lasst uns auch gegen die Repression des Zweigeschlechtersystems demonstrieren. Im Knast, in der Psychologie, in der Medizin und auch in unserem Kopf.

***

CSD – kritische Solidarität
Redebeitrag auf der Demo „One struggle – one fight“ für das Autonome Zentrum Köln während des CSD am 06. Juli 2013

Guten Abend! Schön, dass ihr noch dabei seid unter dem Motto „One struggle, one fight”, mit einer kritischen Solidaritätserklärung an den CSD.
Der hier am Heumarkt gefeierte Christopher Street Day erinnert an die Straßenschlachten in der New Yorker Christopher Street. Am 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn mal wieder eine brutale Polizeirazzia statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige
Ausschreitungen der Polizei in queeren Kneipen. Es war das erste Mal, dass die Drag Queens und Kings, Tunten, Butches, Femmes, Schwulen und Lesben sich erfolgreich wehrten. Das Datum gilt als Anfang der westlichen LSBTI(lesbisch/schwul/bi/trans*/inter*)-Bewegung.
In Solidarität mit allen Menschen, die für diese Rechte kämpfen, wünschen wir uns von einem zunehmend entpolitisierten CSD mehr Geschichtsbewusstsein. In Erinnerung an die, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, und an diejenigen, die von Repression durch den Paragraph 175 betroffen waren, der Sex zwischen Männern kriminalisierte.
Doch auch heute kommt es in vielen Ländern zu Polizeigewalt gegen LSBTI-Personen. Menschen werden weltweit diskriminiert, verfolgt, bestraft oder ermordet, weil ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der Norm entspricht.
In Frankreich wurde breit gegen die Ehe für Alle mobilisiert und von einer Allianz aus der konservativen selbsternannten „Mitte” und nationalistischen Kräften gegen Schwule und Lesben gehetzt. Auch in Deutschland ist eine rechtliche Gleichstellung noch immer
nicht erreicht. Danke, CDU.
An Schulen ist „schwul“ oft ein Schimpfwort, aber selten Thema. Lesben sind im real existierenden Patriachat mehrfach unterdrückt.
Doch nicht nur Schwule und Lesben werden von den derzeitigen Normen von Geschlecht unsichtbar gemacht. Zurzeit leben Intergeschlechter* in Deutschland mit der Situation juristisch nicht anerkannt zu sein, medizinisch als krank zu gelten und in gesellschaftlichen Fragen nicht mitgedacht zu werden.
Menschen, die nicht eindeutig als Mann* oder Frau* geboren werden passen nicht ins Bild. Das hat verschiedene Auswirkungen: Von oft traumatisierenden OPs ohne Zustimmung als Kind, über schlechte medizinische Aufklärung bis hin zu mangelnder Unterstützung in Form von speziellen Beratungsstellen. Obwohl etwa jedes 100. Kind als Hermaphrodit/Inter* zur Welt kommt, wird in offiziellen Dokumenten, in öffentlichen Toiletten, Umkleiden, Bädern, Sportvereinen, Kleidungsgeschäften usw. so getan als gäbe es nur Männer* und Frauen*.
Wer versucht sich positiv auf die eigene Identität als Inter* oder Hermaphrodit zu beziehen stößt schnell an Grenzen. Im Alltag sieht es dann so aus, dass schon das Ausfüllen eines Formulars, das Beitreten einer Online-Community zum Problem werden kann. (Zumindest wenn ich die Frage nach dem Geschlecht ernst nehme.)
Vieles ist bei Trans* ähnlich. Auch Trans* werden nach wie vor psychologisch für krank erklärt, wobei es hier mittlerweile bessere medizinische Unterstützung gibt. Immer wieder muss vermeintlichen Expert*innen bewiesen werden, dass die eigene Identität auch wirklich passt.
Doch zu all dem scheint der KLuST e.V. nicht viel zu sagen zu haben. Nur die Ehe das Ziel? Aber nicht für alle. Es wird eine Anpassung an die vermeintliche Mitte der Gesellschaft angestrebt ohne die immer noch grundlegenden Strukturen von Geschlechterkonstruktion anzugreifen. Für ein besseres Bild nach außen wird sich mit Teilen der „eigenen Szene” entsolidarisiert.
Sicher ist es toll, dass CSD-Paraden hier im Gegensatz zu anderen Ländern ohne großen Polizeischutz vor Neonazis oder Fundamentalist*innen auskommen. Wir wollen und können die erreichten Erfolge der Bewegung auch gar nicht klein reden. Die sollten auch gefeiert werden.
Super , dass der KLuST sich durch die Neu-Anmeldung der Parade eindeutig gegen die Rechtspopulist*innen von ProKöln gestellt hat. Trotzdem ist noch lange nicht alles gut.
Darum: Mehr Widerstand, mehr Subversion gegen enge Rollenbilder und Beziehungsideale!
Wir bleiben Queer… weil auch radikale Kritik an Geschlechterverhältnissen Selbstorganisation braucht!
Echte Emanzipation – für ALLE!