Schriftliche Statements

„Ich ordne mich einem selbst erdachten, namenlosen, freien Geschlecht zu, das in keiner Verbindung zu den gesellschaftlich allgemein anerkannten steht. Darin spiegelt sich mein Wunsch wieder mich von Rollenzwängen abzukoppeln, aber auch die Tatsache, dass ich mich keinem mir bekannten anderen Geschlecht zugehörig fühle.

Für mich ist Geschlecht etwas Emotionales. Es ist nicht kognitiv, weil ich nicht an kognitive Unterschiede zwischen Geschlechtern glaube. Es ist nicht körperlich, denn wie Körperlichkeiten mit Geschlechtern assoziiert werden, ist eine Frage der persönlichen oder gesellschaftlichen Interpretation. Und Geschlechter müssen nicht statisch, nicht greifbar sein. Eine Zuordnung kann emotionale Sicherheit geben, kann Halt geben, aber genauso gut Einschränken und die Luft zum Atmen nehmen…

Alle Menschen sollten ihr Geschlecht selbst frei wählen können! Wie auch immer die Wahl aussehen mag, macht für mich gedanklich keinen Unterschied.
Mein Anspruch ist alle Menschen unabhängig ihrer geschlechtlichen Zuordnung kennenzulernen, wahrzunehmen und mich mit ihnen auszutauschen. Dabei kommt es mir vielleicht zugute, dass ich mich selbst als asexuell wahrnehme und deswegen keine Präferenzen in Bezug auf das Geschlecht habe. Geistige Liebe ist das, was für mich zählt und die Geister unterscheiden sich eben nicht in Abhängikeit der geschlechtlichen Zuordnung.

Aufgrund meiner Äußerlichkeiten werde ich in der Regel dem männlichen Geschlecht zugeordnet, was ich häufig aus Mangel an Nerven oder reiner Bequemlichkeit, aber auch weil ich von Irritationen und unangenehmen Fragen und Aussagen ausgehe, nicht richtig stelle. Aus diesem Grunde „genieße“ ich auch viele Vorzüge, welche diese patriarchale Gesellschaft für als Männer definierten Menschen bereit hält. Ich kann diese Vorzüge weder für mich bewußt annehmen, noch verspüre ich positive Gefühle dabei. Im Gegenteil – diese Rolle ist mir unangenehm!
Außerdem werden mir oft „typisch männliche“ Charaktereigenschaften unterstellt wie emotionale Kälte, stärker ausgeprägtes Konkurrenzdenken, erhöhter Ehrgeiz, Oberflächlichkeit und der angebliche Drang sich profilieren zu müssen, um nur einige zu nennen. Eine Ablehnung von Konkurrenz wird nicht selten als Schwäche oder devotes Verhalten interpretiert. Die genannten Eigenschaften empfinde ich alle als negativ, wobei auch die automatische Unterstellung positiver Eigenschaften wie Mut oder Stärke mich deprimiert, weil das ja bedeutet, ich wäre nur wegen meines angeblichen Geschlechtes so. Ich glaube natürlich, dass all diese Eigenschaften mit keiner geschlechtlichen Zuordnung in Zusammenhang stehen.

All das ist schon scheiße genug, aber dann merke ich immer, wenn ich dazu genötigt werde mich einem Geschlecht zuzuordnen, etwa bei der Wahl der öffentlichen Toiletten, in Umkleidekabinen, auf Fragebögen, bei Bestellungen usw., dass ich im kollektiven Bewusstsein dieser Gesellschaft tatsächlich gar nicht auftauche. Wie soll ich erklären, wie ich mich fühle, wenn es nur ein entweder oder gibt, indem ich nicht enthalten bin?
Bei Fragebögen schreibe ich in der Regel „transident“ daneben und mache mein Kreuz dort (auch wenn die meisten Fragebögen in diesem Fall nicht ausgewertet werden „können“). Oder bei der Anrede bei Internetbestellungen (nachdem ich ohne Geschlechtswahl auf „Weiter“ klicke und daraufhin mit roter Schrift aufgefordert werde eines der zwei angezeigten Geschlechter zu wählen) wähle ich einfach „Frau“, nur weil das meiner gesellschaftlichen Wahrnehmung weniger entspricht, auch wenn es genausowenig auf mich zutrifft.

Deswegen wünsche ich mir schon lange (mindestens) eine weitere Option bei Geschlechtsangaben für:
„NEIN!, ich ordne mich nicht einem der anderen beiden Geschlechter zu, vielleicht keinem, vielleicht beiden, vielleicht irgendwo dazwischen oder woanders oder vielleicht wie ich einem freien Geschlecht.“

Natürlich wäre es auch schön, wenn sich Menschen nirgendwo mehr für eine Form der Zuordnung entscheiden müssten, weil das Geschlecht einfach keine Rolle mehr für Außenstehende spielt…“

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„Ich bin transident. Ich habe einen weiblichen Körper und eine männliche Identität.

Ich bin physisch und psychisch gesund.
Ich bin nicht gestört, “geschlechtsidentitätsgestört”, oder sonstwie krank.
Ich bin völlig normal. Um mich zu beschreiben, reichen die Begriffe “Mann” oder “Frau” nicht aus.

Bei meiner Geburt wurde ich aufgrund meiner äußerlichen Geschlechtsmerkmale als “weiblich” kategorisiert. Seit dem Tag meiner Geburt wurde ich in eine Rolle gepresst, die nur eines von zwei klar abgrenzbaren Geschlechtern zulässt und die nicht zu mir passt. Meine männliche Identität wurde mir versagt, weil nicht sein durfte, was nach herkömmlichen Vorstellungen nicht sein konnte. Meine Seele wurde systematisch beschnitten. Das hat mich krank gemacht.

Der Weg in die Transidentität war ein Weg in die Gesundung. Ich habe meine Ganzheit wiedergefunden. Ich lebe nicht im falschen Körper. Ich lebe in der falschen Rolle, weil ich gezwungen bin, einen Teil von mir zu verleugnen. Mann oder Frau, mehr lässt unsere Vorstellungskraft nicht zu, mehr lassen unsere Gesetze nicht zu. Ich muss mich halbieren, um offiziell existieren zu dürfen. Mein Name muss “geschlechtlich eindeutig” sein. Warum, wenn ich es doch selber nicht bin? Mein Pass, meine Geburtsurkunde, jedes Formular, das ich ausfüllen muss und das angeblich meine Identität beurkundet, verschleiert tatsächlich meine wahre Identität.

Ich bin nicht Mann oder Frau. Ich bin beides. Ich erlebe eine geschlechtliche Ganzheit, jeden Tag, die den meisten Menschen verwehrt ist. Es gab Zeiten und Kulturen, in denen Menschen wie ich geachtet waren. Es hat uns zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben. Die simple Zweiteilung in Männer und Frauen ist menschengemacht. Sie entspricht nicht der Realität. Die Realität kennt Menschen wie mich, für die es in unseren Gesetzen keine geschlechtlichen Kategorien gibt. Es wird Zeit, dass wir unsere Gesetze der Realität, den Menschen anpassen. Denn ich existiere, jenseits der Vorstellungen von “Mann oder Frau”. Und ich bin nicht allein.“

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„Ich wünsche mir, auch offiziell als Hermaphrodit anerkannt zu sein, weil es mich traurig und wütend macht,
wenn ich mich verstecken oder verleugnen muss.
Ich möchte, dass ich auch in meinem Pass oder anderen Dokumenten mein richtiges Geschlecht angegeben kann. Es wäre natürlich toll, wenn ich gar keins angeben muss.
Aber bis dahin bin ich nun mal Hermaphrodit und nicht Mann oder Frau.
Und es macht überhaupt keinen Sinn, dass da weiter so getan wird, als ob es mich und viele andere gar nicht gibt.“

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„Ich bin seit zwölf Jahren im alltäglichen öffentlichen Raum daran, meine “Geschlechtsidentität” als Transform zu etablieren und bin nun froh, offensichtlich nicht mehr damit alleine zu sein!“
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Diskriminierung, bitte

Ich bin Teil einer Kampagne um diskriminiert zu werden.

Klingt komisch, ist aber so.

Warum?

Naja, zur Zeit gilt:

Für das Gesetz gibt es mich nicht,

für die Medizin bin ich krank,

für die Psychologie gestört.

Im besten Fall ein Gendersternchen.

Eine* nette* Freak.

Habe keine Toilette, keinen Sportverein, keine Pronomen, keine Kleidung, keinen Platz.

Weder in Online Communities noch in Dokumenten.

Das tut weh. Das macht wütend und traurig und ängstlich.

Aber diese ganze Energie wird jetzt vor Gericht gebracht.

Habt ihr schon einmal Deutschland verklagt?

Ich möchte dass anerkannt wird, dass es mich und andere gibt.

Als Inter* als Hermaphrodit.

Dann kann ich auch mal sagen:

Ey Diskriminierung

Weil wer mich jetzt gestört auf der Straße schimpft, glaubt das gleiche wie die Psychologie,

wer mich in Formularen übergeht, ist im Recht,

weil das Recht mich nicht kennt.

Wer mich behandeln, ändern, anpassen will, will das gleiche wie die Medizin.

Darum schrei ich jetzt, bis es wer hört.

Mache mich nackt um gesehen zu werden,

und schreibe über das wofür im Deutschen noch immer die Worte fehlen,

mich als Hermaphrodit.